Catch-All / Standardadresse¶
Eine Standardadresse, oft Catch-All genannt, fängt alle Nachrichten ab, die an eine
nicht existierende Adresse deiner Domain geschickt werden. Post an xyz123@deine-domain.de
landet dann trotzdem in einem Postfach.
Das klingt praktisch. In der Praxis ist es fast immer die schlechtere Wahl.
Im cPanel: E-Mail → Standardadresse — cPanel öffnen
Unsere klare Empfehlung: Standardadresse auf „Verwerfen“ stellen
Ein Catch-All ist der häufigste hausgemachte Grund für viel Spam. Spam-Programme
schicken Nachrichten an erfundene Adressen wie admin@, test@, office2024@ oder
k7x9@ deiner Domain. Ohne Catch-All werden sie sofort abgewiesen, und die Sache ist
erledigt. Mit Catch-All nimmst du jede einzelne davon an.
Die Folgen im Alltag:
- Dein Postfach läuft voll, und irgendwann kommt gar keine Post mehr an.
- Der Spamfilter kann kaum helfen. Bei einer erfundenen Adresse gibt es keinen echten Empfänger, an dem sich messen ließe, was erwünscht ist.
- Wichtige Post geht unter, weil sie zwischen hunderten Fehlleitungen liegt.
- Tippfehler fallen niemandem auf. Schreibt ein Kunde
inof@stattinfo@, kommt die Mail an, und niemand merkt, dass die Adresse falsch weitergegeben wurde.
Einmal eingesammelt, bleibt deine Domain zudem dauerhaft auf den Verteilerlisten der Absender. Das lässt sich später nicht mehr rückgängig machen.
Davon raten wir dringend ab: Catch-All plus Weiterleitung
Bitte richte diese Kombination nicht ein, und schalte sie ab, falls sie bei dir aktiv ist. Die Standardadresse auf eine externe Adresse umzustellen, etwa an ein Gmail- oder Outlook-Konto, ist die schädlichste Einstellung, die sich im Mailbereich vornehmen lässt.
Was dabei passiert: Dein Server nimmt Post an jede erdenkliche Adresse deiner Domain an und verschickt sie anschließend weiter. Aus eingehendem Spam wird ausgehender Mailverkehr, und zwar unter deinem Namen. Aus einem Empfangsproblem wird damit ein Versandproblem, und das trifft nicht nur dich.
- Für den Empfänger bist du der Absender. Der gesamte weitergeleitete Spam zahlt auf den Ruf deiner Domain und der Server-Adresse ein, nicht auf den des ursprünglichen Absenders.
- Es entstehen Rückläufer an gefälschte Absender. Lehnt das Ziel eine Nachricht ab, geht die Fehlermeldung an die Absenderadresse, und die ist bei Spam praktisch immer gefälscht. Damit stellst du den Spam einem unbeteiligten Opfer zu. Das ist einer der schnellsten Wege auf eine Blockliste.
- Dein Stundenlimit ist schnell erreicht, weil jede weitergeleitete Nachricht als ausgehende E-Mail zählt. Siehe Versandlimits.
- Betroffen sind auch die anderen Kunden auf demselben Server, weil die Bewertung an der gemeinsamen IP-Adresse hängt. Siehe Server steht auf einer Blockliste.
- Du merkst selbst am wenigsten davon, weil du nur das Zielpostfach siehst. Auffällig wird es erst, wenn Geschäftspost nicht mehr zugestellt wird.
Unsere Bitte, ganz deutlich: Richte diese Kombination nicht ein. Wenn du sie schon nutzt, stelle die Standardadresse auf Verwerfen und leite ausschließlich einzelne, tatsächlich existierende Adressen weiter.
Wir sperren den Versand eines Postfachs, wenn darüber massenhaft Spam hinausgeht. Das passiert bei dieser Konstruktion früher oder später, und es trifft dann eine Einstellung, die du selbst für harmlos gehalten hast. Melde dich lieber vorher bei uns, dann sehen wir uns gemeinsam an, wie deine Post ankommt, ohne dass es so weit kommt.
Die Einstellung ändern¶
- cPanel öffnen und E-Mail → Standardadresse aufrufen
- Die Domain auswählen
- Verwerfen auswählen
- Speichern
Ab sofort werden Nachrichten an nicht existierende Adressen direkt abgewiesen. Der Absender bekommt eine Fehlermeldung und weiß damit, dass die Adresse nicht stimmt. Genau so soll es sein.
Was du stattdessen tun solltest¶
Lege die Adressen an, die du wirklich brauchst. Für jede zusätzliche Adresse genügt ein Alias. Er kostet keinen Speicherplatz, und du kannst beliebig viele davon einrichten.
Für wechselnde Zwecke nimm Plus-Adressen. info+shop@deine-domain.de funktioniert ohne
jede Einrichtung und landet automatisch in deinem Postfach. Siehe
Alias-Adressen.
Der beliebte Trick, der nicht aufgeht¶
Eine Idee, die im Netz oft empfohlen wird: Bei jedem Dienst, bei dem man sich anmeldet, gibt
man eine eigene Adresse an. Beim Onlineshop shopname@deine-domain.de, beim Newsletter
zeitung@deine-domain.de, und so weiter. Dank Catch-All muss man dafür nichts anlegen, und
wenn irgendwo Spam ankommt, weiß man sofort, wer die Adresse weitergegeben hat.
Der erste Teil funktioniert tatsächlich. Der zweite nicht.
Du erkennst die Quelle, kannst aber nichts dagegen tun. Ist die Adresse einmal in Umlauf, möchtest du sie stilllegen. Genau das geht mit Catch-All nicht: Er nimmt weiterhin alles an, was an deine Domain geht. Du müsstest für jede verbrannte Adresse eine eigene Filterregel anlegen und dauerhaft pflegen. Nach ein paar Jahren sind das dutzende Regeln.
Du bekommst Spam an Adressen, die du nie vergeben hast. Spam-Programme raten Adressen, und
sie raten genau diese Muster: amazon@, paypal@, shop@, bank@. Mit Catch-All kommt jede
davon an. Der Trick sollte Spam eindämmen und beschert dir stattdessen zusätzlichen.
Du machst dich angreifbar für Täuschungen. Wer weiß, dass deine Domain alles annimmt, kann
dir eine Nachricht an sparkasse@deine-domain.de schicken, die aussieht, als hättest du dort
tatsächlich ein Konto. Das wirkt deutlich glaubwürdiger als dieselbe Mail an deine normale
Adresse. Siehe Phishing erkennen.
Du weißt irgendwann selbst nicht mehr, was du vergeben hast. Weil nichts angelegt wurde, gibt es auch keine Liste. Wenn du den Catch-All später abschaltest, fallen schlagartig alle diese Adressen aus, und du merkst es erst, wenn eine wichtige Nachricht nicht mehr ankommt.
„Aber der Spamfilter bei Google filtert doch viel besser"¶
Das hören wir oft, und es stimmt sogar: Große Anbieter filtern hervorragend. Nur löst das Weiterleiten dein Problem an der falschen Stelle.
Der Filter greift erst nach der Weiterleitung. Bis eine Nachricht bei Google ankommt, ist sie bereits über deinen Server gelaufen und von dort erneut verschickt worden. Dein Posteingang bleibt sauber, aber der Schaden ist zu diesem Zeitpunkt schon entstanden.
Google lernt dabei etwas über deine Domain, und zwar das Falsche. Aus Sicht des Empfängers kommt der Spam von dir. Wenn über Monate täglich weitergeleiteter Müll eintrifft, sinkt die Bewertung deiner Domain. Das trifft dann auch deine echte Geschäftspost, und nicht nur die an dein eigenes Konto, sondern die an alle Empfänger bei diesem Anbieter.
Irgendwann nimmt der Anbieter gar nichts mehr an. Dann kommen weder Spam noch deine Rechnungen durch, und du merkst zuerst das Zweite.
Und es entstehen Rückläufer. Lehnt Google eine weitergeleitete Nachricht ab, erzeugt dein Server eine Fehlermeldung an den vermeintlichen Absender, der bei Spam gefälscht ist. Damit stellst du den Müll auch noch an Unbeteiligte zu.
Der richtige Ort zum Filtern liegt davor. Was gar nicht erst angenommen wird, muss auch nicht weitergeleitet werden. Genau dafür ist der Spamfilter gedacht: Er prüft, bevor die Nachricht deinen Server erreicht.
Du kannst dein Postfach trotzdem in Gmail lesen
Wenn du an Gmail als Oberfläche hängst, richte es so ein, dass Gmail dein Postfach abruft, statt dass du dorthin weiterleitest. Dann bleibt die Post bei uns, wird hier gefiltert, und du liest sie trotzdem in der gewohnten Ansicht. Siehe Gmail einrichten.
Der Unterschied ist entscheidend: Beim Abrufen verlässt keine einzige Nachricht deinen Server als neuer Versand. Es entsteht kein ausgehender Verkehr, kein Ruf-Schaden und keine Rückläufer.
Was stattdessen wirklich funktioniert¶
Lege für jeden Dienst einen echten Alias an. Das dauert eine halbe Minute, und du behältst
die Kontrolle: Kommt an shopname@deine-domain.de irgendwann Spam, löschst du diesen einen
Alias, und die Sache ist erledigt. Alle anderen Adressen laufen unverändert weiter. Siehe
Alias-Adressen.
Oder nimm Plus-Adressen wie info+shopname@deine-domain.de. Sie funktionieren ohne jede
Einrichtung und ohne Catch-All.
Ein ehrlicher Hinweis zu Plus-Adressen
Wer deine Adresse weiterverkauft, kann den Teil hinter dem Pluszeichen einfach weglassen und landet dann bei deiner Hauptadresse. Als Erkennungshilfe sind Plus-Adressen also gut, als Schutzwall nicht. Wenn dir das wichtig ist, sind einzelne Aliase die bessere Wahl, weil sie sich wirklich abschalten lassen.
Wann ein Catch-All doch vertretbar ist¶
Es gibt einen Fall: kurz nach einem Umzug von einem anderen Anbieter, wenn du noch nicht weißt, welche Adressen dort alle existiert haben. Dann hilft ein Catch-All, ein paar Wochen lang nichts zu verlieren.
Sieh die eingehende Post in dieser Zeit durch, lege die tatsächlich genutzten Adressen als Alias an und stelle die Standardadresse danach wieder auf Verwerfen. Als Dauerlösung gedacht war das nie.
Das könnte auch weiterhelfen¶
- Alias-Adressen einrichten — der bessere Weg für mehrere Adressen
- Warum bekomme ich so viel Spam?
- Mailbox voll
- E-Mail-Postfach anlegen